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| Das farbliche Design des Alfa Sauber für 2018 steht schon fest. Bild © Alfa Romeo |
"Ach, Alfa Romeo..." Seufzend erinnern sich Motorsportfans an legendäre Formel-1-Siege, etwa mit Juan Manuel Fangio am Lenkrad. Andere träumen noch vom eleganten Spider.
Erinnern und träumen können freilich nur die, die alt genug sind. Denn die sportlich große Alfa-Zeit endete eigentlich schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bis Anfang der Neunzigerjahre hielt sich der Spider noch, als Reminiszenz. Danach ging es sportlich und geschäftlich bergab.
Das Ende drohte, als die Firma in die Hände des italienischen Staats fiel. Der siedelte sie Anfang der Siebzigerjahre aus beschäftigungspolitischen Gründen vom angestammten Standort im Norden in den Süden um. Das brachte massive Verluste und 700 Streiks in 13 Jahren, im Schnitt also einen pro Woche.
Das Drama setzte sich fort. Der Fiat-Konzern übernahm den maroden Betrieb 1986 und schleppt Alfa seither mehr oder weniger durch. Die Formel-1-Auftritte waren schon ein Jahr zuvor still und leise beendet worden.
Die neue globale Präsenz, so das Kalkül von Fiat-Chrysler-Boss Sergio Marchionne, werde auch dem italienisch-amerikanischen Mutterkonzern Fiat-Chrysler sehr helfen. Dieser verkauft in jenen Gegenden nämlich nur wenige Autos - und hat auch sonst noch eine Menge Probleme.
Dabei hat Marchionne das einstmals schwerstkranke Unternehmen erheblich aufgepäppelt, seit er 2004 Fiat übernahm.
- Der Wert der Fiat-Aktie hat sich seither verdoppelt.
- 2009 hat er Fiat mit dem dümpelnden US-Autokonzern Chrysler verschmolzen und damit beide saniert.
- Der Umsatz des neuen Großkonzerns Fiat-Chrysler Automobiles (FCA) lag 2012 bei 84 Milliarden Euro, dieses Jahr sollen es 115 bis 120 Milliarden Euro werden.
- Die Gewinne steigen, die Schulden sinken.
Dazu kommen weitere Probleme:
- In den USA ermitteln die Behörden nun auch gegen FCA wegen Manipulationen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen mit illegaler Software; das könnte Milliarden kosten;
- bei Qualitätstests liegen Fiat-Produkte immer noch allzu häufig weit hinten;
- die Produktpalette der US-Marken Chrysler, Jeep und Dodge gilt bei Fachleuten als überaltert, neue Modelle blieben erfolglos und wurden relativ schnell wieder vom Markt genommen;
- für den sehr erfolgreichen Fiat 500 ist kein adäquater Nachfolger in Sicht;
- auf dem seit vier Jahren wachsenden italienischen Markt bleiben Fiat-Autos hinter dem Trend zurück, ihr Marktanteil fällt.
Deshalb stellen Experten regelmäßig die Frage, ob FCA allein überhaupt eine Überlebenschance habe, ob das Unternehmen sich nicht zügig mit einem der Branchenriesen zusammentun müsse. Doch weil Marchionne und die Eigentümer, überwiegend Erben der Fiat-Gründer-Familie Agnelli, das nicht wollen, setzt der Konzernchef nun auf den Verkauf eines "Luxuspools": Alfa Romeo und der zweite berühmte Name im FCA-Reich, Maserati, werden zusammengepackt und als ein neues Unternehmen an die Börse gebracht - und für die Fiat-Chrysler-Mutter fällt viel Geld ab.
Das hat schon einmal gut geklappt. 2015 brachte Marchionne die Fiat-Tochter Ferrari an die Börse. Dabei flossen 900 Millionen in die Unternehmenskasse, obwohl nur zehn Prozent der Aktien auf den Markt kamen. 80 Prozent gingen an die
FCA-Aktionäre, zehn Prozent behielt Piero Ferrari, Sohn des Firmengründers Enzo. Der Börsenwert der neuen Firma Ferrari liegt bei zehn Milliarden Euro, das ist mehr als die Hälfte des Wertes der Ex-Mutter, der bei rund 17 Milliarden Euro liegt.
Wenn sich derartiges nun mit dem Börsengang eines neuen, aus Alfa Romeo und Maserati zusammengesetzten Unternehmens wiederholen ließe, wäre Fiat-Chrysler wohl aus dem Gröbsten raus. Und Marchionne könnte eine saubere und arbeitsfähige Küche übergeben.
Angriff auf Mercedes
Ob das gelingt, hängt natürlich vom Erfolg der Alfa-Einsätze in der Formel 1 ab. Und da weckt der auserkorene Partner Zweifel. Der Rennstall Sauber hat zwar viel Erfahrung in dem Metier, aber wenig Erfolge vorzuweisen. In diesem Jahr wurde das Team letzter in der Konstrukteurswertung. Und viel besser war Sauber auch vorher nur selten. Wenn es den Alfa-Autos nun so geht wie den Sauber-Boliden? Wer wird Loser-Autos zujubeln? Oder sie sogar kaufen?
Marchionne gefällt an seinem Formel-1-Einstieg ganz besonders, dass er nun Mercedes herausfordern kann - jene Marke, die wie keine andere sportliche Höhenflüge in geschäftliche Erfolge umsetzt. Dagegen soll nun der Alfa Romeo anfahren - und siegen.
Zusammengefasst: Der Autokonzern Fiat-Chrysler kämpft mit Imageproblemen und hohen Schulden. Die Lösung soll nun die aus der Mode gekommene Tochtermarke Alfa Romeo bringen. Konzernchef Marchionne will Alfa zusammen mit dem Sauber-Rennstall in der Formel 1 etablieren. Außerdem soll ein Börsengang zusammen mit Maserati das nötige Geld in die Kasse bringen.




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